Das neue Gartenfeld

Umsetzungsstand: In Planung

Bereits seit der Errichtung eines Kabelwerks vor über 100 Jahren wird die Insel Gartenfeld industriell genutzt. Die kommenden Jahre werden in Gartenfeld aber von Veränderung geprägt sein: Hier entsteht ein neues, zukunftsfähiges Stadtquartier für Spandau und Berlin.

Quelle Bild links: ASTOC ARCHITECTS AND PLANNERS GmbH; Quelle Bild rechts: Studio Duplex GmbH

In Planung
In Bau
Abgeschlossen

In Berlin-Spandau, auf der Insel an der Gartenfelder Straße, wo einst Siemens produzierte, entsteht ein neues Stadtquartier für Berlin. Das Neue Gartenfeld wird auf der nördlichen Inselhälfte auf 31 Hektar innovatives, nachhaltiges und vielseitiges Wohnen ermöglichen. In einem koordinierten Zusammenspiel verschiedener privater, kommunaler und genossenschaftlicher Vorhabenträger entstehen rund 3.700 Wohnungen. Dabei werden die unter Denkmalschutz stehenden Industriehallen integriert und ein innovatives Smart City Konzept umgesetzt. Angesichts des Funktionsverlustes eines ehemals intensiv genutzten Industriestandortes, gilt es schließlich Miet- und Eigentumswohnungen harmonisch vereint zu einem vielseitigen und familienfreundlichen Wohnquartier zu entwickeln. Die Sicherung und Qualifizierung der gewerblichen Nutzung im Südteil der Insel ist dafür eine Prämisse.

Der Bebauungsplan für das Insel-Quartier wurde 2015 aufgestellt. Basierend auf dem städtebaulichen Gesamtkonzept und Masterplan laufen aktuell noch finale Abstimmung mit Senat, Bezirk und innerhalb der Planungsgemeinschaft. Mit einer Beteiligung der Öffentlichkeit wird bereits im Sommer 2022 gerechnet. Die Festsetzung des Bebauungsplans wird für Ende desselben Jahres erwartet, um schnellstmöglich mit den Hochbaumaßnahmen beginnen zu können.

Quelle: COBE Berlin GmbH
Quelle: Studio Duplex GmbH

Insel mit Aussicht: Eines der wichtigsten Entwicklungsgebiete Berlins

Mit der Entwicklung der Insel Gartenfeld verbindet sich die Möglichkeit, ein innovatives, nachhaltiges, sozial und funktional gemischtes Quartier zu entwickeln. Die „Insellage“ ist dabei Herausforderung und Chance zugleich. Vom dichten innerstädtischen ÖPNV-Netzwerk abgeschnitten, beträgt die Distanz zum nächstgelegenen U-Bahnhof Paulsternstraße je nach Ausgangspunkt im Gebiet zwischen 1,5 und 2 Kilometer, also über 15 Minuten Fußweg. Der Anschluss an das Straßenbahnnetz wird erst langfristig erfolgen.

Hier bietet zukünftig die Reaktivierung der Siemensbahn inklusive des Bahnhofs Gartenfeld eine verbesserte ÖPNV-Anbindung. Derzeit ist Gartenfeld lediglich über verschiedene Buslinien mit den Subzentren Spandaus und Reinickendorfs verbunden. Neben Angeboten, die eine nachhaltige Mobilität ermöglichen gilt es, die Insel zu einem gemischten Quartier zu entwickeln, in dem vorzufinden ist, was im täglichen Leben gebraucht wird: Einkaufsmöglichkeiten, Kita und Schule, Arbeitsplätze, Sport und Erholungsflächen. Mit weiteren großen Kultur- und Freizeitangeboten wird Gartenfeld auch zu einem Ausflugsziel für Berlinerinnen und Berlinern aus anderen Quartieren.

Ein weiterer Meilenstein wurde mit der Konzeption eines zukunftsweisenden, eigenständigen Energiewerkes für das Neue Gartenfeld erreicht. Auf Grundlage einer Kooperation zwischen zwei großen Versorgungsdienstleistern werden Nachhaltigkeit, effiziente Energieerzeugung, Bezahlbarkeit sowie die hohe Nutzerfreundlichkeit über eine interaktive App zentrale Ankerpunkte des „Quartierswerk Gartenfeld“ sein. Für das ganzheitliche Angebot investieren die Partner einen hohen zweistelligen Millionenbetrag in nachhaltige Strom-, Wärme- und Kälteversorgung, Brauchwassermanagement, E-Ladelösungen, Parkplatz-Management und Sharing-Angebote.

Bahnbrechende Technik made in Spandau – die Geschichte der Insel Gartenfeld 

Nur zwölf Jahre nach dem Bau des Siemens Kabelwerks in Westend wurde aufgrund der rasanten industriellen Entwicklung ein neues und größeres Kabelwerk notwendig. Daher erwarb Siemens 1910 von der Stadt Spandau das im äußersten Nordwesten von Siemensstadt gelegene, 50 Hektar große „Gut Gartenfeld“ auf der gleichnamigen Insel. Heute steht Gartenfeld für den Beginn des europäischen Fernsprech-Kabelnetzes: 1912 erhält das Kabelwerk den Auftrag zur Produktion des Telefonkabels Berlin-Magdeburg. Dieses 150 km lange Kabel ging 1913 in Betrieb. Bereits ein Jahr später wurde Hannover angeschlossen. Der Standort war klug gewählt: Die Insellage entstand während der Anlage des Großschifffahrtsweges Berlin-Stettin in den Jahren 1906 bis 1914.

Quelle: ST raum a. Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH
Quelle: UTB Projektmanagement GmbH
Quelle: UTB Projektmanagement GmbH

Neben ausreichend Platz für neue Werksanlagen bot er optimale wirtschaftliche Transportwege: zum einen per Schiff auf dem Hohenzollernkanal und Spandauer Schifffahrtskanal, zum anderen per Bahn durch die bereits bestehende Eisenbahnbrücke zum Güterbahnhof Ruhleben. Auch die Mitarbeitenden konnten das Kabelwerk Gartenfeld mit der Straßenbahn auf der Gartenfelder Straße und ab 1929 mit der S-Bahn bis Bahnhof Gartenfeld gut erreichen. 1925 erwarb Siemens die weltweiten Patente von Mark Benson, der die Kesseltechnik zur Umwandlung von Wasser in Dampf unter hohem Druck revolutionierte. Nach weiterer Entwicklungsarbeit von Siemens wurde 1927 weltweit der erste Benson-Kessel im Kabelwerk Gartenfeld in Betrieb genommen.

Von der Zerstörung im Krieg bis zur Stilllegung nach über 90 Jahren

Zerstörungen und Erweiterungen gaben sich in den nächsten Jahrzehnten die Hand: 1922 wurde ein Viertel der Werksanlagen durch einen Brand zerstört. Kriegseinwirkungen in den Jahren 1940 und 1943 und Demontagen durch britische und sowjetische Besatzungsmächte taten ihr übriges. Kurz nach dem Krieg wurde in Gartenfeld die Produktion wieder hochgefahren und notwendige Alltagsgüter produziert, die mit Kabeln jedoch kaum etwas zu tun hatten. Die Fertigung von Kabeln startete erneut ab 1948. Durch den Wandel der Technologie zu Beginn der 1980er Jahre wurde die Produktion von Nachrichtenkabeln eingestellt und stattdessen das Werk zu einem modernen Entwicklungs- und Fertigungszentrum für Starkstromkabel und -leitungen umgebaut. 2002 wurde das Kabelwerk aufgegeben und stillgelegt.

Daten & Fakten

Umsetzungsstand:
in Planung

Bauherr:
Verschiedene Vorhabenträger,
koordiniert durch die UTB Projektmanagement GmbH

Zuständige Abteilung:
Bezirksamt Spandau, Abt. Bauen, Planen, Umwelt- und Naturschutz